| Im zweiten Ziel der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung kann man damit beginnen, die anderen Kinder und Eltern im Kindergarten kennen zu lernen – und im Blick auf die ganze Gruppe etwas von der Vielfalt an Familienkulturen erfahren (Ziel 2), die in jedem Kindergarten repräsentiert ist. Bei der Repräsentation von Vielfalt gilt im Ansatz Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung das didaktische Prinzip „Von den Gemeinsamkeiten zu den Unterschieden“ . Anzusetzen ist immer an Erfahrungen oder Merkmalen, die alle teilen: Jedes Kind hat einen Namen, hat eine Familie, hat Freunde, hat mal Angst. Von hier aus können die Unterschiede besprochen werden, z.B. die unterschiedlichen Erfahrungen mit dem eigenen Namen. Manche werden wegen ihres Namens gehänselt, manche erleben, dass er immer falsch ausgesprochen wird und wieder andere sind stolz auf ihren Namen, denn es ist der ihrer Oma oder er hat die Bedeutung „die Königliche“! Ein solches Thematisieren von Vielfalt unterscheidet sich wesentlich von „touristischen“ Ansätzen, die in der interkulturellen Arbeit nach wie vor verbreitet sind: Gemeint ist die vorübergehende Beschäftigung mit einer „anderen Kultur“, etwa in Projektwochen, die in der Art eines touristischen Ausflugs etwas „Typisches“ erfahrbar machen sollen, wonach man wieder zum „Normalbetrieb“ zurückkehrt, häufig mit weiteren Stereotypen und gefestigten Vorurteilen über „die Anderen“. In der vorurteilsbewussten Arbeit ist die Vielfalt das „Normale“, das im Alltag thematisiert werden muss. Geschieht dies, so über das genaue Beschreiben und Kennenlernen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden. |