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Die Fachtagung fand am 16. Juni 2008 in der Werkstatt der Kulturen in Berlin statt. Gekommen waren ca. 200 TeilnehmerInnen aus der Praxis sowie aus der Aus- und Weiterbildung. Die drei Vorträge am Vormittag zu den Vielfaltsaspekten Religion, sexuelle Orientierung und Hautfarbe regten uns zu einer vertieften Auseinandersetzung mit vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung an.

Dr. Christa Dommel warf die Frage auf, ob „Bildung von Anfang an“ auch für das Thema Religion gilt. Sie zeigte uns eindrucksvoll, dass die Religion nicht in der Entgegensetzung von Christentum  – Islam, Nichtgläubige – Gläubige usw. thematisiert werden sollte. Vielmehr soll der Religion als ein Bestandteil des kulturellen Erbes ein fester Platz in pädagogischen Einrichtungen eingeräumt werden. Es gilt, die Religion im Dialog zwischen Kindern als kulturelle Ressource zu gestalten und sie ernst zu nehmen.

Uli Streib-Brzič machte uns in Ihrem Beitrag deutlich, dass viele Kinder homosexuelle Eltern haben und dies für sie zur Normalität gehört. Ihre Umwelt jedoch reagiert nach wie vor mit Skepsis und Ablehnung auf sie. Die pädagogischen Einrichtungen, so ihre These, müssen sich inhaltlich stärker auf die sogenannten Regenbogenfamilien einlassen und ihre Gleichstellung neben anderen Familienformen vorantreiben.

Prof. Dr. Maureen Maisha Eggers stellte uns Ihre kritische Analyse der berühmten Kindererzählung „Pippi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren vor. Ist Pippi Langstumpf rassistisch? Eine Frage, die viele TeilnehmerInnen schockiert hat. Die Referentin zitierte Textpassagen, in denen Schwarze Menschen stereotyp und abwertend dargestellt werden, wohingegen die Weißen als besser und überlegen erscheinen.

Mehr über diese Vielfaltsaspekte können Sie in unserem neuen Buch „Handbuch Kinderwelten: Vielfalt als Chance – Grundlagen einer vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung“ (Hrsg. Petra Wagner, Herder Verlag, im April 2008 erschienen) nachlesen.

Im anschließenden Weltcafé hatten die TeilnehmerInnen die Gelegenheit, sich zu den Vorträgen auszutauschen. Es ging weiter mit der Vorstellung der Ergebnisse unserer bisherigen Arbeit. Dr. Mechtild Gomolla evaluierte begleitend das zweite Projekt Kinderwelten und machte Aussagen zur Wirksamkeit von Strategien und Methoden im Projekt aus der Sicht der Projektakteure.

Stolz präsentierten wir unsere zweite neue Publikation:  die DVD  „Mit Kindern ins Gespräch kommen“. Der Film wendet sich an die pädagogische Praxis und zeigt an Hand der Arbeit mit Persona Dolls, wie Gespräche mit Kindern so geführt werden können, dass sie Respekt für Vielfalt und Kritischwerden gegenüber Vorurteilen, Einseitigkeiten und Ausgrenzung ermöglichen.

Wir endeten diesen ereignisreichen Tag mit der Vorstellung des neuen Projekts Kinderwelten. Die Projektkoordinatorinnen Serap Şıkcan und Anke Krause erläuterten die drei neuen Schwerpunkte des Projekts: Implementation, MultiplikatorInnen-Fortbildung und Materialentwicklung. Auch in diesem Projekt wird es um die Verbreitung und Verankerung des Ansatzes Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung gehen, diesmal jedoch nicht nur in Kitas, sondern auch in Grundschulen und Erzieherfach(schulen). Das Projekt Kinderwelten hat gerade die Bewerbungsphase abgeschlossen, im Herbst erfolgt der Startschuss für die Projekteinrichtungen.

Die Rückmeldungen zur Fachtagung zeigten uns, dass viele TeilnehmerInnen vor allem die Vorträge zu den Vielfaltsaspekten, den Austausch im Weltcafe und den Film sehr anregend fanden. Die angenehme und freundliche Atmosphäre wurde oft anerkennend genannt. Der große Büchertisch mit vorurteilsbewussten Kinder- und Fachbüchern von der Buchhandlung Dante Connection in Kreuzberg wurde ausdrücklich gelobt.
Einige TeilnehmerInnen vermissten eine Reflexionszeit nach jedem Vortrag. Sie hätten hier gerne nachgefragt und diskutiert. Gewünscht wurde auch ein stärkerer Bezug zur Praxis in den Vorträgen, denn dies war bis jetzt einer der Schwerpunkte auf den vorangegangenen Kinderwelten-Tagungen. Ungewohnt daher, dass wir diesmal eher die  theoretische Auseinandersetzung fokussiert haben.  
Ein berechtigter Anlass zur Klage war das Mittagessen, das viele mit knurrenden Mägen hinterließ. Das bedauern wir sehr! Alle diejenigen, die wie sonst eine gut gefüllte Tagungsmappe mit allen Beiträgen erwartet haben, hoffen wir mit dieser Dokumentation auf unserer Website zu erfreuen. Weiter unten finden Sie die Präsentationen der ReferentInnen sowie Fotos zum Herunterladen:

Religion - Risiko und Ressource von Dr. Christa Dommel
Alltägliches Anderssein - Kinder schwuler und lesbischer Eltern von Uli Streib-Brzič
Pippi Langstrumpf - Emanzipation nur für weiße Kinder von Prof. Dr. Maureen Maisha Eggers
Wie lässt sich Antidiskriminierung in pädagogischen Organisationen verankern? Zur Wirksamkeit von Strategien und Methoden im Projekt Kinderwelten von Dr. Mechtild Gomolla
Das neue Kinderwelten-Projekt von Serap Şıkcan und Anke Krause

Fotos der Tagung

Dokumentation der Fachtagung Gleichheit und Differenz im Leben von Kindern und in pädagogischen Einrichtungen im Juni 2008 Ziel 1: Kinder in ihrer Identität stärken
Die Kita vorurteilsbewusst leiten Ziel 2: Vielfalt kennen lernen und Empathie entwickeln
Kleine Kinder und Vorurteile Ziel 3: Kritisch werden gegenüber Einseitigkeiten, Vorurteilen und Diskriminierung
Sprachliche Bildung Ziel 4: Aktiv werden gegen Einseitigkeiten, Vorurteile und Diskriminierung
Vorurteilsbewusste Bildung und Trägerqualität Zusammenarbeit mit Eltern
unterstützt von
BMFSFJVielfalt tut gut
 
Bildung konsequent inklusiv
Unbedingt vormerken!
Kinderwelten Abschlusstagung am 11. Juni 2010
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MultiplikatorInnen für vorurteils­bewusste Bildung und Erziehung
Kurs 2010 - 2012
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Handbuch Kinderwelten

Vielfalt als Chance - Grundlagen einer vorurteilsbewussten
Bildung und Erziehung

"Mit Kindern ins Gespräch kommen"

Ein Film für die pädagogische Praxis sowie für die Aus- und Fortbilung

Macker, Zicke, Trampeltier...
Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen. Handbuch für die Fortbildung
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