Über 1000 TeilnehmerInnen nahmen teil an der großen internationalen Fachtagung, die gleichzeitig die Abschlusstagung des Projekts Kinderwelten war. Die Tagung wurde eröffnet von Petra Wagner, Projektleiterin Kinderwelten in der Internationalen Akademie gGmbH an der Freien Universität Berlin, es folgten die Begrüßungen durch Norbert Hocke vom Bundesvorstand der GEW und durch Prof. Christoph Wulf als Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission.
Louise Derman-Sparks, Begründerin des Anti-Bias Approach aus Kalifornien, legte in ihrem Vortrag „Anti-Bias Education for Everyone - Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung für Alle“ dar, dass sie von einem weiten Begriffsverständnis von Inklusion ausgehe. Inklusion verfolgt die Vision von sozialer Gerechtigkeit und ist aufmerksam für alle Merkmale, entlang deren Ausgrenzung und Diskriminierung vorgenommen werden. Inklusion meint pädagogische Anstrengungen wie Anti-Bias Education, „Social Justice Education“ und Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung. Tony Booth, Mitautor des Index für Inklusion und Professor an der Universität Canterbury, verfolgte mit seinem Vortrag die Frage: „Wie sollen wir zusammen leben? Inklusion als wertebezogener Rahmen für pädagogische Praxisentwicklung.“ Um inklusive Werte in die Tat umzusetzen, sei der Dialog über Werte erforderlich, eine Art Alphabetisierung in Bezug auf Werte (value literacy).
In der sich anschließenden Mittagspause war auch Gelegenheit, die Ausstellung der am Projekt beteiligten Kitas, Grundschulen und Fachschulen für Sozialpädagogik zu besichtigen: Fotogalerie (in Kürze), Überblick über Ausstellungsbeiträge
Der Nachmittag gab Einblicke in inklusive Praxis, wie sie im Projekt Kinderwelten entwickelt wurde: Projektbeteiligte (Stefani Hahn, Mahdokht Ansari, Antje Kächele, Martina Soltendieck-Kuba, Renate Simon, Erika Grete, Doris Tischendorf, Marina Zollmann) stellten Beispiele für Inklusion in der Kita vor, kommentiert von Dr. Christa Preissing von der Internationalen Akademie gGmbH an der FU Berlin.
Erfahrungen und Möglichkeiten von Inklusion in der Grundschule wurden von den Projektbeteiligten Barbara Henkys und Angeli Kuipers vorgetragen und ergänzt um Betrachtungen der Stellvertretenden Vorsitzenden der GEW Marianne Demmer.
Den Abschlussvortrag des Tages hielt Jörg Maywald zum Thema „Kinderrechte und Inklusion“, in dem er die Bedeutung der UN-Kinderrechtskonvention und der UN-Behindertenrechtskonvention für den Aufbau eines inklusiven Bildungssystems ausführte.
Es war ein heißer Tag, die vielen TeilnehmerInnen waren in räumlicher Enge dem straffen Programm im KOSMOS gefolgt – und gaben überwiegend positive Rückmeldungen, hier eine Auswahl: Gut organisierte Tagung, bemerkenswert kommunikative Atmosphäre, anregendes Programm, viele Denkanstöße, gute Verbindung von Theorie und Praxis, von nationalen und internationalen Aspekten der Diskussion um Inklusion, von Praxisfeldern wie Kita, Schule, Fachschule, die sonst häufig getrennt tagen. Viele TeilnehmerInnen äußerten, dass sie die Tagung ermutigend fanden, sich weiter für Inklusion und Bildungsgerechtigkeit einzusetzen. Und dass sie eine Fortsetzung von Kinderwelten wichtig finden.
Was die Zukunft von Kinderwelten anging, war die Tagung erfolgreich: Die Bernard van Leer Foundation sagte danach eine zweijährige Unterstützung für den Aufbau einer bundesweiten „Servicestelle Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung“ zu, mit der Fortbildungen, Beratung, Materialien, Publikationen, Veranstaltungen usw. bundesweit vorgehalten werden sollen. Das ist eine gute Basis für das Einwerben weiterer Mittel, die wir für eine solche Servicestelle brauchen. Bei der internen Abschlusstagung am 10.6. fragten wir die Projektbeteiligten, was sie sich von einer solchen zukünftigen Stelle erhoffen. Hier sind ihre Anregungen, die wir nutzen werden für das Konzept, das zu erstellen unsere nächste Aufgabe sein wird: Servicestelle under construction.
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