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Kleine Kinder entwickeln ihr Verständnis von Gerechtigkeit: Im sozialen Miteinander entwickeln Kinder ein Konzept von Gerechtigkeit, das zunächst mit Vorstellungen von Gleichbehandlung verbunden ist: Es ist gerecht, wenn jede oder jeder gleich viele
Gummibärchen bekommt und beim Schaukeln gleich oft „drankommt“. Ungerecht ist, wenn jemand mehr oder weniger bekommt. Dieses auch auf sich selbst anzuwenden erfordert eine Überwindung von Selbstbezogenheit, die im Gerechtigkeitsbegriff von kleineren Kindern noch für Schieflagen sorgt. Sie empören sich insbesondere, wenn sie selbst weniger bekommen als andere. Ältere Kindergartenkinder pochen zum Teil rigide darauf, keine Abweichungen oder Ausnahmen zu erlauben. Mit ihrer Einsicht in unterschiedliche Bedürfnisse differenzieren sie ihren Begriff von Gerechtigkeit: David ist klein, der kann ein bisschen länger schaukeln. Noa verträgt keine Gummibärchen, sie bekommt deshalb mehr Kekse.
Konflikte gehören zum sozialen Lernen. Neben Fragen gerechter Verteilung beschäftigt Kinder, ob Menschen auch sonst gerecht und fair miteinander umgehen. Vor allem bei
Interessenkonflikten sind sie damit konfrontiert: Jemandem einfach etwas wegnehmen, ist nicht fair. Jemand hauen, obwohl der nichts gemacht hat, ist gemein. Zu viert gegen eine oder einen kämpfen ist mies. In Konflikten lernen Kinder viel über das Starksein und Schwachsein, übers Bestimmen und Sich-Fügen, über Grenzziehung und Grenzübertretung. Kinder entwickeln in der Gruppe mit Gleichaltrigen wichtige soziale Strategien, wie sie dazu gehören und gleichzeitig ihre Interessen durchsetzen können. Dazu gehören Kommunikationsfähigkeiten und die Fähigkeit, sich in andere hineinversetzen zu können. Und auch die Wahrnehmung und Artikulation eigener Interessen und Wünsche.

Manche Konflikte haben mit Diskriminierung zu tun. Kinder entwickeln soziale Kompetenzen bei der Austragung von Konflikten in der Kindergemeinschaft. Wenn Erwachsene Konflikte vermeiden oder an ihrer Stelle lösen wollen, entgehen Kindern wichtige Lernerfahrungen. Konflikte, in denen Kinder auf Grund eines Merkmals ihrer Identität ausgegrenzt, schikaniert oder diskriminiert werden, können Kinder allerdings nicht alleine lösen

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