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Perspektiven systematisch aufeinander beziehen

Das Projekt zur Verbreitung Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung wird über die Dauer von dreieinhalb Jahren vom Berliner Kinderwelten-Team koordiniert. Träger des Projekts ist das Institut für den Situationsansatz in der Internationalen Akademie gGmbH an der Freien Universität Berlin. Partner des Projekts sind Träger von Kindertageseinrichtungen in drei Regionen Deutschlands, die Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung in ihren Kindertageseinrichtungen und in ihrer Trägerorganisation nachhaltig verankern wollen. Dies geschieht in sechs Projektphasen: Nach einer Einstiegsphase, in der es um die Sensibilisierung für und Wahrnehmung von Einseitigkeiten und Diskriminierung geht, beschäftigen sich die Beteiligten nacheinander mit jeweils einem der vier Ziele Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung. Diese werden jeweils mit Workshops und Fortbildungen eingeleitet, zu Grundlagen Vorurteilsbewusster Bildung, zur Relevanz der Ziele für Bildungsprozesse und zu Ideen für die Praxisgestaltung. Alle Beteiligten beziehen die Ziele auf ihren spezifischen Einfluss- und Verantwortungsbereich. Daher gibt es unterschiedliche Angebote zur Reflexion für Kitateams, KitaberaterInnen, LeiterInnen, TrägervertreterInnen und Eltern.

Zur Realisierung der Ziele wird in jeder Phase nach den vier Planungsschritten im Situationsansatz vorgegangen: 1. Erkunden, 2. Planen, 3. Gestalten, 4. Auswerten. Wichtig ist dabei die systematische Einbeziehung der jeweiligen Perspektiven von Eltern, Kindern, Kita-Teams und Trägern. Diese werden bei den öffentlichen Präsentationen der Projektergebnisse sichtbar gemacht, die zum Ende jeder Phase stattfinden: Auf regionaler Ebene nach den Phasen 2 und 4, auf überregionaler Ebene (in Berlin) nach Phase 3 und bei der Abschlusskonferenz im Winter 2007, in der Auswertungsphase der Projekts.
   
Pädagogische Qualität und Trägerqualität vorurteilsbewusst entwickeln

Eine vorurteilsbewusste Qualitätsentwicklung in Kindertageseinrichtungen umfasst neben der Professionalisierung der Fachkräfte auch Strukturen der Einrichtung, die über Routinen und Regeln des Gruppenalltags hinausgehen. Vorurteilsbewusste Bildungsqualität in Kindertageseinrichtungen muss flankiert werden von adäquaten Entscheidungen auf Trägerebene, in Bezug auf Zugänglichkeit des Angebots, Beteiligungsmöglichkeiten, Personalpolitik, Transparenz über Entscheidungen usw. Im Projekt erfolgt daher die Implementation von Zielen und Prinzipien vorurteilsbewusster Bildung in einer Doppelstrategie als Entwicklung pädagogischer Qualität in den beteiligten Kindertageseinrichtungen und als Entwicklung von Trägerqualität ihrer Trägerorganisationen.



Vorhandene Ressourcen stärken

Die Dissemination innerhalb der Regionen erfolgt in Nutzung und Stärkung vorhandener Ressourcen: Schlüsselpersonen im Implementationsprozess wie Trägervertreter, örtliche KitaberaterInnen und delegierte ErzieherInnen und Leiterinnen aus den Projektkitas werden zu MultiplikatorInnen weitergebildet und für ihre Transfer-Aufgaben vom Berliner Projektteam beraten.

Jede Region setzt sich aus einem Trägerverbund von 3 – 6 Trägern zusammen und bringt 10-12 Kitas in das Projekt ein. Die Projektkitas werden von „ihren“ regionalen KitaberaterInnen dabei unterstützt, vorurteilsbewusste Praxis zu entwickeln. Die KitaberaterInnen arbeiten eng mit den Kitadelegierten zusammen: Dies sind die LeiterIn einer Projektkita und 1-3 ErzieherInnen. Die Delegierten werden zusammen mit der regionalen KitaberaterIn von einer Berliner Beraterin fortgebildet und sorgen für den Transfer der Projektinhalte in die Projektkitas.

Die Träger bestimmen Trägervertreter, die in einer Entwicklungswerkstatt zur Trägerqualität mit dem Berliner Projektteam zusammen arbeiten. Jede Region gründet einen Projektbeirat, in dem Einrichtungen und Organisationen vertreten sind, die mit den Trägern bei der Implementation kooperieren.



Kompetenzen erweitern

Die Vorurteilsbewusste Gestaltung der Lernumwelt und der Interaktion mit Kindern und Eltern sind Ziele der Professionalisierung der Fachkräfte und der Praxisentwicklung in den Kitas. Dazu gehört auch der Aufbau einer tragfähigen Erziehungspartnerschaft mit Eltern.

Die Professionalisierung der Kitateams erfolgt in Workshops, Entwicklungswerkstätten, über kontinuierliche Praxisreflexion, Dokumentation und Präsentation der Arbeit. Grundlage sind die Instrumente und Erfahrungen aus dem ISTA-Projekt „Qualität im Situationsansatz“ QuaSi, eines Teilprojekts der Nationalen Qualitätsinitiative.

Die regionalen KitaberaterInnen werden für die Arbeit im Projekt durch die Berliner Beraterinnen vorbereitet und begleitet. Sie nehmen an Fortbildungen von Kinderwelten teil und an regelmäßigen regionalen Treffen. Sie qualifizieren sich zu FortbildnerInnen für den Ansatz Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung.

Die LeiterInnen nehmen an der Entwicklungswerkstatt „Die Kita vorurteilsbewusst leiten“ teil. Hier erwerben sie Zusatzqualifikationen, um den Prozess vorurteilsbewusster Praxisentwicklung aktiv und verantwortlich zu gestalten und anzuleiten.

Fachkräfte, die sich über den gesamten Projektzeitraum entsprechend den Zielen des Projekts qualifiziert haben, können hierüber ein Zertifikat erwerben. Voraussetzung für die Zertifizierung ist ein individueller schriftlicher Reflexionsbeitrag sowie ein mündlicher Vortrag im Rahmen eines Colloquiums. Das Zertifikat wird in Form einer inhaltlich differenzierten Beschreibung der erworbenen Qualifikationen von der Internationalen Akademie an der Freien Universität Berlin vergeben.



Organisationen entwickeln

Im Rahmen der Entwicklungswerkstatt „Trägerqualität“ werden TrägervertreterInnen präzisieren, was vorurteilsbewusste Qualität für Kitaträger heißt. Sie reflektieren ihr Leitbild und Konzept, ihre Personalplanung und -entwicklung sowie ihre Mitbestimmungsstrukturen und wie diese auf Veränderungsprozesse im Sinne Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung wirken. Dazu gehören Erkundungen zu den Trägerstrukturen in Bezug auf Aspekte der Vielfalt und die Implementierung dialogischer Verfahren. Die Entwicklung von Zielen und Kriterien für eine vorurteilsbewusste Trägerorganisation ist das angestrebte Ergebnis dieser Werkstatt.



Eltern beteiligen


Im Projekt werden neue Wege erprobt, um den Prozess der Praxisveränderung von Anfang an im Dialog mit Eltern zu entwickeln. Die Initiierung des Dialogs ist Aufgabe der Träger und der Kitas. Sie müssen aktiv ihren Respekt für die vielfältigen Familienkulturen zum Ausdruck bringen, insbesondere gegenüber Eltern, die von traditionellen Formen der Elternbeteiligung eher ausgeschlossen sind. Werden die vielfältigen Erfahrungen und Kompetenzen von Eltern in der Kita nicht berücksichtigt, so erleben sie, dass sich ihre soziale Marginalisierung auch in der Kita wieder herstellt. Vorurteilsbewusste Zusammenarbeit mit Eltern meint, solchen Ausgrenzungsprozessen bewusst und aktiv zu begegnen.



Kooperieren und vernetzen

Das Ziel des Aufbaus von regionalen Vernetzungsstrukturen ist ein wichtiger Aspekt der Verbreitung. Projektbeiräte in den Regionen, in denen Vertreter von Fachschulen, Hochschulen, Fortbildungseinrichtungen, Elternorganisationen, Migrantenorganisationen sowie andere Träger mitwirken, sollen die Synergieeffekte verstärken, um Vorurteilsbewusste Bildung zu verbreiten. Indem diese Kooperationspartner in den Dialog einbezogen sind und Kooperationsprojekte mit den Projektkitas und ihren Trägern realisieren, werden sie ihrerseits zu Multiplikatoren für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung in ihrem Einflussbereich.

Das Ziel der überregionalen Vernetzung wird über den Austausch von KitaberaterInnen und TrägervertreterInnen verfolgt wie auch mit den zwei überregionalen Präsentationen für das interessierte Fachpublikum in Deutschland.

Das Ziel der europäischen Vernetzung erfolgt im Rahmen von Projekten im europäischen Netzwerk DECET (Diversity in Early Childhood Education and Training, www.decet.org) und GRUNDTVIG zu Lernpartnerschaften, an denen ISTA bereits beteiligt ist.



Prozesse evaluieren und Ergebnisse sichern

Das Projekt wird prozessbegleitend intern evaluiert. Auf der Ebene der Programm- und Konzeptentwicklung im Projektteam, durch die systematische Erhebung der Erfahrungen in den Projektregionen und die Auswertung von Rückmeldungen der Akteure. Auf der Ebene der Praxis- und Personalentwicklung ist Evaluation eingebaut in das Vorhaben, mit dem Projekt Qualitätskriterien für vorurteilsbewusste Bildung zu entwickeln. Dazu dienen Instrumente zur Selbstevaluation, die im Laufe des Projekts als Ergebnis der Reflexions- und Professionalisierungsprozesse der beteiligten KitaberaterInnen, ErzieherInnen, LeiterInnen, Eltern und TrägervertreterInnen modifiziert werden. Ergebnis der systematischen Arbeit an den vier Zielen Vorurteilsbewusster Bildung mit dem Erarbeiten von Kriterien, woran die Realisierung dieser Ziele jeweils zu erkennen ist, wird ein Qualitätshandbuch zur Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung sein. Es stellt Kitateams und Trägern ein erprobtes Instrument für die Einschätzung und Weiterentwicklung ihrer Arbeit zur Verfügung.

Eine externe Teilevaluation des Projekts wird Dr. Mechtild Gomolla von der Universität Münster vornehmen. Ihre Fragestellung ist, wie sich geeignete Strukturen der Begleitung und Beratung der Arbeit in den einzelnen Einrichtungen und auch im Bereich der Aus- und Fortbildung in den Regionen verankern lassen. Ihr Augenmerk gilt der Bestimmung und Ausdifferenzierung von Qualitätsmerkmalen, die bei der Umsetzung von Zielen einer inklusiven, nicht-diskriminierenden Erziehungs- und Bildungspraxis in Kindertageseinrichtungen mit Hilfe von Strategien zur Organisationsentwicklung und Qualitätssicherung relevant sind. Sie führt hierzu zwei Erhebungen im Projektverlauf durch.

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  Kinderwelten Projektprogramm (1.167 KB)
     
   
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